17.11.2016 Finissage Tassilo Blittersdorf

Tassilo Blittersdorff

KÜNSTLERISCHE ENTWICKLUNG:

Tassilo Blittersdorff arbeitet meist mit Serien, die Teile umfassender, oft grenzüberschreit-ender Konzepte sind. Er Interessiert sich für innovative Möglichkeiten, verwendet ungewöhnliche Materialien und experimentelle Techniken.

Die erste seiner größeren, konzeptuellen Serien (ab ca.1975) setzte sich mit Entstehen, Verändern und Wiedererkennbarkeit von Zeichen auseinander. Spätere Serien versuchten kritisch-ironisch Gesellschaftsbezüge durch neue Sichtweisen zu Themen wie: Landschaft (Bergserie 1976-78) und Körper (Herzserie,'Gesichtsserie mit fehlenden Sinnesorganen', Körperabdrücke ca.1979-1983) herzustellen. Dabei wurden unterschiedliche Gestaltungs-mittel, wie: Malerei, Zeichnung Foto- und Kopiegrafie, Installation, Realitätszitate, Bild- und Textkollagen eingesetzt. Von ca.1984 bis ca.1988 beschäftigte er sich mehr mit Malerei (Öl- und Tempera), doch fast immer im Zusammenhang themenbezogener Serien.

1989 entdeckte er bilderzeugende Möglichkeiten in elektrochemischen Prozessen. Er versuchte durch Galvanisation Bilder automatisch und mit geringem Eingreifen des Künstlers herzustellen. Die auf, mit Grafit beschichteten Bildträgern (Leinwand, Papier) entstehend-en, komplexen Metallablagerungen ähneln Fraktalen und organisch Gewachsenem. An fangs standen die bildhaften Resultate, ab ca.1993 das Prozesshafte des Verfahrens im Zentrum von Blittersdorffs Interesse. 

1990 begann er auch mit fotochemischen Prozessen zu arbeiten. Er setzte alte, heute seltene Techniken wie Cyanotypie, Eisenchlorid- und Kombinationsverfahren ein um mit Sonnenlicht und ohne Kamera Direktabbildungen zu machen. Meist entstanden Fotogramme von Pflanzen und Tieren. Für Positivbilder werden größengleiche Negative benötigt. Die lange Belichtungsdauer erlaubt es auch Veränderungen des Sonnenstands, von Schatten oder die Bildung von Eiskristallen zu dokumentieren. Elektro- und fotochemische Verfahr-en kann auch zusammen verwendet werden, wie zB: bei der Installation „Die Rose spricht alle Sprachen der Welt“ (1998 für die Wiedereröffnung des Technischen Museums, Wien.)

Installationen und Objekte aus Alltags- und Trashmaterial wurden zu medienübergreifen-den Inszenierungen (zB: 'Der falsche Ferseher', 1994). Gelegentlich entwarf er dafür auch Maschinen, wie bei der interaktiven Installation 'Arbeit Macht Licht',1993. Diese Arbeiten, sollten durch Kombinieren von Alltagsgegenständen, Fotos; Videos und Texten politische und soziale Zusammenhänge aufzeigen.

Ab Ende der 90er Jahre bezog er in seine Kunstprojekte konkrete architektonische bzw. urbane Situationen, deren kulturellen bzw. sozialen Background und die Bevölkerung der jeweiligen Orte ein. Beispiele dafür sind: Die temporäre Umgestaltung des Denkmals des Waffenfabrikanten Joseph Werndl in Steyr zu einem interaktiven, multimedialen Kunstwerk (1998, zusammen mit  Medienkünstlerin Bernadette Huber). Im Zentrum von Loosdorf bei Laa/ Thaya entstand 2002-2003 das Remake der "Hanslburg", einer künstlichen Ruine im dortigen Schlosspark. Die Ortsbevölkerung dekorierte das Remake und sanierte in Folge das desolate Originalobjekt. Projekte über die realsozialistische Plan-und Industriestadt Nowa Huta bei Krakau 2003 -2010: Ihre Menschen und ihre Architektur wurden, um neue Blickpunkte zu öffnen, in unterschiedlichen Bildtechniken (Malerei, Zeichnung, Cyanotypie, Druckgrafik etc.) dargestellt. Schnappschuss-Fotos und Recherchen, waren Grundlagen dafür. Bei der Ausstellung 2005 fand im Nowa Huta Museum auch ein, von der Öffentlich-keit gut angenommenes Symposion über das Thema das statt.

Tassilo Blittersdorff hat sein Atelier seit längerer Zeit in der ehemaligen Volksschule von Ameis bei Poysdorf. Zahlreiche Arbeiten der letzten Jahre haben die naturnahe Situation des Orts, vor allem dessen Vegetation zum Thema.

Die mehrteilige Installation 'Trakls Krieg' setzt sich mit der tragischen Militärzeit des Dicht-ers Georg Trakl auseinander (2014 -15). Die Präsentation des Bild-, Text-, Dokumentar- und Audiomaterial passt sich dem jeweiligen Ort an, bis jetzt wurde es in Wien, in der 'Galerie im Traklshaus' in Salzburg und dem Festival 'Trakltat' in Krakau gezeigt.

Die Installation 'Angsthelm' konfrontiert die, auf einem Sessel sitzende BetrachterIn, mit einem Militärhelm, einem leuchtenden Augenpaar und einer Text- und Tonkollage. Sie wird erstmals vom 6.10 bis zum 17. 11.2016 in der Ausstellung 'Zeit-Stücke, Stück-Zeiten' in der Galerie Frewein-Kazakbaev gezeigt. Zusammenhänge zwischen früheren und jetzigen Arbeiten des Künstlers herzustellen ist Thema dieser Ausstellung.

susanne